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Das Foto zeigt die Holzbrücke nach dem Zollhaus aus dem Jahre 1901. Foto im Stadtarchiv

Ältere Reiter und Reiterinnen wissen von Hören und Sagen, dass das sogenannte "Reiterbrückchen" erst nach dem ersten Weltkrieg 1914-1918 gebaut wurde. Damit möchten wir aber keine neue Diskussion einleiten; sondern halten es für unsere Pflicht, einen klärenden Beitrag zu leisten, zumal wir von mehreren Mitbürgern im Steinbachtal und insbesondere von Mitgliedern der Talgemeinde darum gebeten wurden. Dr. Zoepffel fährt in seinen Bericht fort, ein genaues Gründungsdatum des Würzburger (RFVW) liegt nicht fest; sicher ist nur, dass nach dem ersten Weltkrieg der Reit- und Fahrsportverein (RFVW) bereits existiert hat.

Von großem Interesse sind die Aussagen eines der ältesten Mitglieder des Vereins, Frau Käte Zergiebel, die diesem Verein im Jahre 1928 beigetreten ist. Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist der Reiterverein aus der militärischen Reiterei hervorgegangen. Vor dem zweiten Weltkrieg war der erste Vorsitzende des Reitvereins stets der Abteilungskommandeur des Artillerieregiments.

Es gab in den Jahren vor 1945 in Würzburg drei Reithallen (der entsprechenden Waffengattungen), in denen umschichtig alle vier Wochen Musikreiten stattfand. Außerdem gab es in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zwei private Reitschulen und zwar:

a) Reitschule Becker in der Halle Marienberg (heute Ulsamer Markt)
b) Reitschule Hanck in der Hofstallstraße (alte fürstbischöfliche Reitbahn)


In jedem Monat des Jahres erschien das Reitblatt, indem das Wesentlichste verzeichnet war. Im Herbst wurden im Abstand von je vier Wochen Reitjagden durchgeführt, die hauptsächlich an der Römerbrücke, Gieshügel, Frankenwarte, sowie Höchberg, Eisingen und Üttingen ausgetragen wurden.

Die Hindernisse wurden damals vom Militär aufgebaut. Es gab zwei Felder: im ersten die Offiziere und die Zivilisten, im zweiten die Unteroffiziere. Sehr beliebt waren die Geländeritte mit entsprechenden Aufgaben, sowie "Spähtrupp reiten". Die Vereinsfeste wurden sowohl vom Militär im Offizierskasino am Neunerplatz, sowie von den Zivilisten im Russischen Hof abgehalten.

Einen tiefen Einschnitt in die Reiterei in Würzburg ergab das Jahr 1945 mit der völligen Zerstörung der großen Reithalle und den Ställen in der Hofstallstraße. Die Reithallen in der Zellerau und an der Mainaustrasse blieben stehen, wurden dann aber von den Behörden und der Militärregierung zweckentfremdet. Nach dem Verlust aller Pferde begann nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 ein Neuanfang im Steinbachtal, und zwar auf dem Kögelmayerschen Gutshof, an der Kreuzung Steinbachtalstraße/Ecke Hubertusschlucht.

Freundlicherweise wurden uns dort Stallungen überlassen und die landwirtschaftlich genutzte Scheune wurde durch freiwillige Helfer ausgeräumt und als Reithalle hergerichtet. Mit viel Liebe wurde sogar ein Clubzimmer mit einem selbstgebauten Backsteinofen eingerichtet. Viele ehemalige Reiter, die in jungen Jahren das Kriegsende 1945 miterlebt haben, fanden sich wieder ein.
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